Braudiele in Lübeck

Gotthardt Kuehl

Braudiele in Lübeck
Braudiele in Lübeck
um 1890/95
Öl auf Leinwand
107 x 76
1942 im Kunsthandel erworben

Beschreibung

Mit seiner Heimatstadt Lübeck und ihrer Bildwelt blieb Kuehl zeit seines Lebens in Kontakt. Ein besonderer Reiz ging für ihn von rustikalen Lübecker Dielenräumen aus, die zur Darstellung genrehafter Alltagsszenen besonders geeignet waren. Auch die Braudiele ist als tiefer, hochformatiger Bühnenraum angelegt. Mit seinen großen, im Licht vielfach glänzenden Steinplatten und der massiven, alten Holzbalkendecke tritt die Raumarchitektur in den Vordergrund. Der auf der linken Seite tätige Arbeiter und der unterhalb des Fensters sitzende Herr nehmen sich in ihrer Bedeutung demgegenüber fast bescheiden aus. Durch seine ausgeprägt sensible Beobachtungsgabe für die Oberflächenwiedergabe der verschiedenen Materialien gelang Kuehl ein Meisterstück deutscher Interieurmalerei. Die besondere Stimmung der Diele erreichte Kuehl maßgeblich durch die gekonnte Lichtregie. Das Gegenlicht als raumschaffende Kraft erinnert an die Malerei eines Pieter de Hooch und Jan Vermeer. In Gestalt Liebermann’scher Sonnenflecken fällt es durch die rückseitige große Fensterfront auf den Steinboden, illuminiert die diffusen Staubpartikel und unterstreicht den impressionistischen Charakter des Bildes. Durch die tiefen Verschattungen im Vordergrund, die nur durch die Lichtspiegelungen in der Pfütze aufgehoben werden, gewinnt dieses Leuchten noch an Stärke und trägt zum pittoresken Geist des Gemäldes bei.

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