Lübecker Waisenhaus

Gotthardt Kuehl

Lübecker Waisenhaus
Lübecker Waisenhaus
1894
Öl auf Leinwand
87 x 131
Vermächtnis Konsul Otto Faber 1924/25

Beschreibung

Das 1546/47 gegründete Lübecker Waisenhaus zählt zu den ältesten in Deutschland. Kuehl zeigt das Waisenhaus als enge Gemeinschaft, als Ort, an dem Kinder heranwachsen, lernen und sich entfalten können. Die Kinder lesen oder machen Handarbeiten, sie spielen, schreiben oder zeichnen. Sie können sich frei bewegen und, wie im Hintergrund zu sehen, in einem unbeobachteten Moment den großen Dielenschrank erklimmen. Darüber hinaus ist der gezeigte Gemeinschaftssaal mit Bildern ausgestattet. Die Werkzeugwand im Hintergrund verweist auf handwerkliche Arbeit und Ausbildung. Alle sind individuell beschäftigt, aber die Waisenhaustracht – rote Kleider mit blauen Schürzen bei den Mädchen und blaue Anzüge bei den Jungen – verbindet sie zu einer Gemeinschaft.
In vielen von Kuehls Gemälden lassen sich Details herausgreifen, die gut als eigenständige Bilder funktionieren würden. Im „Waisenhaus“ sind das neben einzelnen Figuren vor allem das Blumenstillleben rechts vorn und der Türdurchblick hinten links. Die entlang der Tische extrem in die Bildtiefe stürzende Fluchtlinie verbindet all diese Einzelmotive zu einem harmonischen Ganzen, das gleichermaßen Ruhe und Dynamik ausdrückt.

Vergleich

Foto (Ausschnitt, gespiegelt) aus dem Lübecker Waisenhaus am Dom
Postkarte mit Ansichten des Lübecker Waisenhauses am Dom

Neben den historischen Fotografien fällt besonders Kuehls Blumenstillleben auf. Kuhels Gemälde des Waisenhauses ist trotz vieler Ähnlichkeiten kein historisches Dokument, sondern ein künstlerisch gestaltetes Interieur: Das blühende Blumenstillleben greift die Farben der Waisenhaustracht auf und verbindet die Jungen und Mädchen auch stimmungsvoll zu einer Gemeinschaft.

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