Beschreibung

Kirchner hielt in seinem Gemälde „Straßenbahn und Eisenbahn“ den Blick aus seinem Steglitzer Atelier fest. Von seinem Fenster im fünften Stock aus sah Kirchner die Friedenauer Brücke, auf der damals eine Straßenbahn verkehrte. Die Kreuzung mit der darunter fahrenden Eisenbahnlinie veranschaulicht den modernen Großstadtverkehr, den Kirchner, da er auf figürliche Staffage verzichtete, vor allem in seiner technischen Dimension zeigt. Die vorherrschenden Diagonalen – schräg gesehene Häuserfronten und Verkehrswege – verdeutlichen das Ausschnitthafte ebenso wie die mit großstädtischem Leben verbundene Dynamik.

1914, im Jahr der Entstehung des Bildes, hatte Kirchner den Sommer auf Fehmarn verbracht und dort zahlreiche Landschaftsbilder gemalt. Bezeichnenderweise ist das Fragment einer Landschaft auf der Rückseite des Gemälde zu sehen (Vergleich). Kirchner nutzte die Leinwand also, verwarf die Landschaft und wandte sich stattdessen dem Motiv der modernen Großstadt zu.

Provenienz

1914 - 1938  Ernst Ludwig kirchner

1938 - 1945  Erna Schilling, erworben im Erbgang von ihrem Lebensgefährten Ernst Ludwig Kirchner

1945 - 1954  Kunstmuseeum Bern, erworben im Erbgang von Erna Schilling

1952 - 1972  R.N. Ketterer, Inh. Norbert Roman Ketterer, Campione/Italien, erworben durch Übergabe von den Erben Ernst Ludwig Kirchners.

seit 1972  Museen für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, erworben durch Schenkung von der Possehl-Stiftung, Lübeck

Das Gemälde wurde anlässlich des 50 jährigen Jubiläums der Possehl-Stiftung von dieser dem Museum Behnhaus Drägerhaus geschenkt. Die Possehl-Stiftung ist eine Lübecker Institution, benannt nach dem Lübecker Emil Possehl. Seine bis heute existierende Firma L. Possehl & Co. GmbH vermachte er der Possehl- Stiftung. Die Stiftung fördert u.a. Projekte in den Bereichen Kunst, Wissenschaft und Jugend. Erworben hattte die Stiftung das Gemälde von der Galerie Roman Norbert Ketterer. Von 1954 bis zu seinem Tod 2022 war Ketterer der Nachlassverwalter von Ernst Ludwig Kirchner. Eine zweite Fassung des Gemäldes hängt im Wallarf - Richartz - Museum in Köln.

Vergleich


Ein Blick auf die Rückseite des Gemäldes zeigt: Kirchner bewegte sich um 1914 in seinen Bildmotive weg von der Landschaft hin zur Stadt. Eine wohl im Sommer 1914 auf Fehmarn gemalte Landschaft verwarf er und malte auf die andere Seite der Leinwand seine Großstadtszene.

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