Landschaft mit trauernden Juden an den Wassern Babylons

Ferdinand Olivier

Landschaft mit trauernden Juden an den Wassern Babylons
Landschaft mit trauernden Juden an den Wassern Babylons
um 1838
Öl auf Leinwand
97,5 x 133
1926 im deutschen Kunsthandel erworben

Beschreibung

Ferdinand Olivier war eine zentrale Figur der Wiener Romantik. Künstlerisch blieb er jedoch ein Außenseiter und als Maler erfolglos, so dass kaum Ölgemälde von seiner Hand entstanden.
Unser Gemälde verbildlicht eine biblische Szene, den 137. Psalm: „An den Wassern Babylons saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten“ und thematisiert Vertreibung und Exil als widrige Erfahrungen des jüdischen Volkes. Vorbild dürfte Eduard Bendemanns großes Historiengemälde (Köln, Wallraf-Richartz-Museum) von 1832 gewesen sein. Olivier hat sein Gemälde allerdings als ein klassisches Landschaftsgemälde im Stil von Claude Lorrain und Nicolas Poussin angelegt. Zu dieser von der Romantik abrückenden Malerei fand er im letzten Jahrzehnt seines Schaffens. Dennoch hat Olivier der figürlichen Szene eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt und die Verschmelzung von Landschaftsgemälde und Historienbild im Sinne einer „historischen Landschaft“ versucht. Zunächst fällt im linken Bildvordergrund die Hauptgruppe der trauernden Juden ins Auge. Trauer, Verzweiflung und Sehnsucht lösen sich aber in ein Zukunftsversprechen auf, da die am rechten Bildrand befindliche Figur auf das in klassischen Architekturformen gestaltete Babylon weist. Die Erscheinung der Stadt ist bei Olivier ein Verweis auf Jerusalem. Der Regenbogen als Zeichen der Hoffnung und Mittler zwischen Gott und Menschen deutet auf die Erlösung aus der babylonischen Gefangenschaft und letztlich auf die Erfüllung des Alten im Neuen Bund. Als Vision und Ort der Sehnsucht erscheint Jerusalem, womit Olivier den christlichen Erlösungsgedanken in seine Illustration des Psalms eingebracht hätte. Hinter seiner altmeisterlichen Oberfläche verbirgt das Gemälde damit konfessionelle Fragen und zeitgenössische Probleme, die es zu einem Schlüsselwerk seiner Epoche machen.

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