Bildnis des Vaters

Erich Dummer

Bildnis des Vaters
Bildnis des Vaters
1915
Öl auf Pappe
74,5 x 63,4
Altbestand, aus dem Museum am Dom übernommen

Beschreibung

Der aus Lübeck stammende Erich Dummer hatte in Weimar, München und Berlin studiert, bevor er sich ab 1914 als freischaffender Maler in seiner Heimatstadt niederließ. Ein Jahr später porträtierte er seinen Vater, den er auf einem Stuhl sitzend, die Arme auf der Stuhllehne ruhend, im strengen Profil darstellte. Der Blick des Malers ist von unten zum Vater aufgerichtet: leicht distanziert, fast ehrfurchtsvoll. Dummers Vater selbst blickt rechts aus dem Bild heraus. In gerader Sitzhaltung, mit kaum einer Regung in den Gesichtszügen, mit langem Kinnbart und Stehkragen erscheint er als typischer Vertreter des ausgehenden wilhelminischen Kaiserreichs. Maler und Modell, Vater und Sohn tauschen keinen Blick aus. Lediglich über einen Umweg sind sie miteinander verbunden. Im Hintergrund des dargestellten Raums erkennt man das drei Jahre zuvor entstandene Selbstbildnis Dummers, in dem sich der Maler mit stechendem Blick, aber verschatteten Augen zeigt. Während des Malprozesses hatte er sich so prüfend im Spiegel angeschaut, um sein Abbild auf die Leinwand zu bringen. Aus dem Gemälde trifft dieser fast beängstigende Blick jedoch den Betrachter. Als Bild im Bild tritt das Selbstbildnis in einen weiteren Dialog. Dummer steht über sein Selbstporträt nun mit dem Vater in Beziehung, ohne dass sich beide direkt anschauen. Dennoch fühlt man sich zu Spekulationen über ein schwieriges Vater-Sohn-Verhältnis angeregt.

Audio

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Vergleich


Dummers Selbstbildnis von 1912 ist als "Bild im Bild" im 1915 gemalten Bildnis des Vaters im Hintergrund zu sehen. So sind Vater und Sohn miteinander verbunden. Oder müsste man eher sagen: miteinander konfrontiert?

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